Wieder Großbritannien gegen Schweden

Es ist angerichtet: Die Paarungen für den Schlusstag der Rollstuhlrugby-Europameisterschaft in Koblenz stehen. In einem dramatischen Halbfinale gewann Schweden durch ein Tor in letzter Sekunde mit 57:56 gegen Dänemark, zuvor hatte bereits Großbritannien das Endspiel am Samstag (16 Uhr) erreicht. Deutschland trifft um 11.45 Uhr im Spiel um Platz fünf auf Polen, um Bronze spielen Dänemark und Frankreich.

Es war ein an Spannung nicht zu überbietendes Duell zwischen Schweden und den Dänen. „Ich hatte meine Glückskrawatte an, die ich getragen habe, als wir bei der EM vor zwei Jahren nach zweimaliger Verlängerung gegen Dänemark gewannen“, sagte Schwedens Trainer Benoit Labrecque mit heiserer Stimme. 32,9 Sekunden vor Schluss vergaben die Dänen ihre Chance aufs Siegtor, Schwedens überragender Highpointer Tobias Sandberg schnappte sich den Ball und raste im D-Zug-Tempo über die gegnerische Torlinie. Dänen-Coach Jason Regier sprach von einem „unkorrekten Treffer, weil die Zeit schon abgelaufen war.“ Der Schiedsrichter entschied auf Tor, die Schweden lagen sich in den Armen, versteinerte Mienen auf der Dänen-Bank.

Mit 43:40 hatte Dänemark zu Beginn des Schlussviertels schon geführt, kassierte durch zwei Ballverluste und eine Strafzeit den Ausgleich und hatte in der Schlussminute den Sieg in Händen. „Natürlich war ein wenig Glück dabei“, gab Labrecque zu, „aber wir spielen alle auf einem Level, und da gehört auch Glück dazu.“

Titelverteidiger Großbritannien hatte zuvor seine Favoritenrolle durch ein in dieser Höhe kaum erwartetes 54:41 gegen Frankreich untermauert. Der Europameister gestattete seinem Gegner einen einzigen Turnover. Spätestens Mitte des letzten Viertels, als die Briten dank französischer Konzentrationsschwächen auf 44:32 davonziehen konnten, war die Begegnung entschieden. „Wir haben daran vier Jahre gearbeitet“, stellte Trainer Paul Shaw fest, dessen Team wie eine gut geölte Maschine funktionierte. Man könne sich aber noch steigern, „die Mannschaft ist jung und wir haben einige neue Spieler integriert.“ Nachwuchs zu bekommen, sei schwer, „aber es gibt bei uns ein gutes Fördersystem.“

Die deutsche Mannschaft, hellwach zur ungewohnten Spielzeit am Vormittag, kam ihrem reduzierten Ziel EM-Platz fünf durch ein nie gefährdetes 58:38 gegen Irland näher. „Es lief wie erwartet“, stellte Cheftrainer Christoph Werner fest, „wir haben gut ausgesehen und befreit aufgespielt.“ Bei den Iren, verletzungsbedingt ohne zwei Stammkräfte zur EM angereist und mit einem Kader von gerade mal sieben Spielern deutlich unterbesetzt, machte sich schon bald der Kräfteverschleiß bemerkbar. Die deutsche Taktik, Highpointer Alan Dineen abzublocken, ging in vielen Szenen auf. Über 7:3 nach vier Minuten und 14:8 zum Ende des Startviertels baute Werners  Team seinen Vorsprung bis zur Halbzeit auf 27:19 aus. Eine Minute nach der Pause war ein Zehn-Tore-Vorsprung erreicht, auf der anderen Seite unterlief Irlands Michael O´Hanlon auf dem Weg zum 20. Treffer ein auf EM-Niveau selten vorkommender Dribbelfehler.

Das dritte Viertel zeigte sich wieder einmal als vorentscheidende Spielphase, diesmal nutzt die deutsche Mannschaft einen Einbruch des Gegners zum klaren Vorsprung: Von 36:20 nach vier Minuten auf 43:26. Nach weiteren vier Minuten des Schlussviertels hieß es 51:31. An der 20-Tore-Führung änderte sich trotz tapferer Gegenwehr der einsatzfreudigen, aber in allen Belangen unterlegenen Iren nichts mehr, die Männer von der Insel machen nun mit den Finnen Rang sieben aus.

Die deutsche Mannschaft zeigt sich in dieser einseitigen Begegnung von der deutlichen Niederlage des Vorabends erholt, jedenfalls ließ man sich keine Frustrationen anmerken. „Schon abends beim Essen war die Stimmung besser“, berichtete Christoph Werner. Schließlich hatte man gegen die Franzosen nicht durch Pech oder einen dummen Fehler verloren, „sondern es lief eindeutig für den Gegner“, so Werner, und Captain Mike Baumann ergänzte: „Wir sind einfach überrollt worden.“

Im Spiel um Platz fünf trifft Deutschland am Samstag auf Polen, das Finnland im zweiten Crossover-Spiel dieses vorletzten EM-Tages in der Koblenzer Conlog Arena beim 55:33 keine Chance ließ. Für die Finnen gilt wie für die Iren: Mit einer derart schwach besetzten Bank ist eine Europameisterschaft nicht zu stemmen. „Die Polen sind hoch motiviert und werden alles versuchen, um gegen ihren ehemaligen Coach zu gewinnen“, vermutete Christoph Werner, „aber sie werden mich nicht überraschen können.“ Coach Janusz Kozak vom deutschen Trainingspartner Polen (man kennt sich aus gemeinsamer EM-Vorbereitungszeit) äußerte sich sehr selbstbewusst: „Ziel war das Halbfinale, Platz fünf ist das Minimum.“ Man wolle gegen Deutschland den Stil von Schweden und Frankreich kopieren. „die waren nicht zu stoppen.“

Quelle: Thomas Wächtler

Photo © 2017 Oliver Kremer | http://www.pixolli.com

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